Olle Opels e.V.

Die Mitglieder

Hier stellen sich unsere Mitglieder mit ihren Fahrzeugen vor und werden Ihnen eine kleine Geschichte zu sich und ihren Allerliebsten erzählen.

Opel Kapitän A V8

Fünf Meter lang und fast zwei Meter breit ist ein Opel Kapitän A, die einfachste Version der legendären KAD-Reihe (Kapitän, Admiral, Diplomat). Die Garage füllt er voll aus, meinen 1980er Senator A in der Stellbox daneben lässt er sogar zierlich aussehen. Man merkt sofort, Grösse war in den 60ern anders definiert.

Wirtschaftlich hatten die Deutschen im Westen die Nachkriegsnot endgültig überwunden als Opel 1964 zu einem grossen Angriff in der Oberklasse ausholte. Die Nachfolge des Kapitän P und seiner Luxusausführung PL sollte deshalb ein Dreigestirn antreten: Den Namen Kapitän trug fortan nur noch die Basisausstattung, während für die etwas noblere Variante der Name Admiral wiederbelebt wurde (es gab bereits zwischen 1937 und 1939 einen Opel gleichen Namens). Obenauf thronte der Diplomat, der ausschliesslich mit einem 4,6 l V8 Motor (190 PS) angeboten wurde (später auch mit 5,4 l und 230 PS). Im Kapitän und Admiral gab es anfangs nur eine letzte Ausbaustufe des ständig weiterentwickelten Vorkriegs-Sechszylinders, der mit 100 PS aber eine nur mäßig souveräne Antriebsquelle darstellte. Zwar wurde dieses Aggregat kurz darauf von einer kompletten Neuentwicklung mit 125 PS abgelöst, doch der ungebremste Fortschrittsglaube jener Zeit verleitete Opel zu einer weitergehenden Extra-Offerte an die zahlende Kundschaft: Wer wollte, bekam für 3.750,- DM Aufpreis den grossen V8 auch im Kapitän oder Admiral. Ein Kapitän A V8 kostete damit 14.740,- DM. Allerdings wollten das nur wenige Käufer: 622 Kunden des Admirals und ganze 113 Kunden des Kapitäns entschieden sich für dieses Triebwerk.

Deshalb wollte ich zunächst auch gar nicht recht glauben, was ich 2005 in einem Internetangebot las: Zu verkaufen Opel Kapitän A V8.... Da hat ein Bastler wieder ganze Arbeit geleistet, war mein erster Gedanke. Oder gab es so ein Fahrzeug wirklich??? Nachdem ich die Existenz dieses Modells verifiziert hatte, begab ich mich mit ernsthafter Kaufabsicht nach Braunschweig, wo mein Voreigentümer sich sechs Jahre liebevoll um dieses Auto gekümmert hatte. Ihm ist es auch zu verdanken, dass der Kapitän 1999 überhaupt wieder den Weg in seine alte Heimat zurückfand. Denn eigentlich spricht das Auto spanisch: Erstzulassung 1966 in Bilbao, dann 1967 Ummeldung nach Pamplona und eine letzte Ummeldung 1972 nach Terassa weisen bezüglich der früheren Eigner auf reiche Spanier der Franco-Ära hin. Noch heute zieren Wappen und Farben von Catalunya den Tankdeckel am Heck. Von den 113 V8-Kapitänen wurden übrigens nur zwei exportiert. Offensichtlich ein glücklicher Umstand meines Kapitäns einer der zwei zu sein, denn unter der iberischen Sonne hat der Rost nur wenig Chancen gehabt. Einen deutschen Winter mit Frost und Streusalz hat er nie gesehen. Angesichts der hohen Sterberate des Opel Kapitän A (97 % der Gesamtproduktion) dürfte höchstens noch ein halbes Dutzend der Kapitän A V8 Modelle weltweit existent sein.

Die Technik des Wagens ist aber höchst robust und hat mich seit dem Kauf noch nie im Stich gelassen. Eine Ausfahrt mit diesem Dickschiff ist immer wieder ein Erlebnis: Man merkt, dass Autofahren vor 40 Jahren noch richtig Arbeit war: Von der Spurtreue moderner Fahrzeuge ist man meilenweit entfernt. Schmale 185er Reifen, drei Finger breites Lenkungsspiel und die nachschwingende Federung verlangen höchste Aufmerksamkeit. Die Kombination Blattfederung/Starrachse war für einen 50er-Jahre Kapitän vielleicht noch angemessen hier kämpft sie jedoch mit 350 Nm und 190 PS (erst die KAD-B Modelle ab 1969 hatten eine aufwendige De Dion-Hinterachse). So sind Geschwindigkeiten jenseits von 160 km/h nur bei leerer 6-spuriger Autobahn zu empfehlen. Dann allerdings sind 200 Sachen möglich 1966 eine aberwitzige Geschwindigkeit...

Doch die wahre Welt des Kapitäns ist das Cruisen. Zwischen 80 und 120 geniesst man den brubbeligen V8-Sound, freut sich über reichlich Leistungsreserven und die Lässigkeit dieses Hubraumriesen. Kaum zu glauben, aber wahr: Wo Automatikgetriebe heute teilweise über sieben Fahrstufen verfügen, genügen der Powerglide-Automatic des Kapitäns gerade mal zwei. Auch die weiche Federung weiss bei diesen Geschwindigkeiten zu gefallen. Die maroden Strassen in und um Berlin schlagen nicht ganz so arg durch wie bei den modernen Fahrzeugen und ihren auf Sport und Dynamik getrimmten Fahrwerken. Reisen, um zu entspannen.

Im Innenraum verwöhnt indes nur wenig Luxus: Klimaanlage, Fensterheber? Fehlanzeige. Gab es damals zwar auch schon, jedoch waren dies eher Ausstattungsmerkmale des Diplomats, der zudem mit Holzdekor und einer breiten Mittelkonsole im Interieur aufwarten konnte. Der Kapitän war dagegen schlicht ausgestattet und in seiner Grundversion sogar ein Sechssitzer mit durchgehender Sitzbank vorn. Aus diesem Grund ist im Gegensatz zum grossen Diplo der Automatik-Wählhebel beim Kapitän auch an der Lenksäule platziert nicht weit entfernt von dem zeittypischen dreifarbigen Breitbandtacho.

Egal wo man mit dem Kapitän heute auftaucht eines ist einem sicher: Opels alte Oberklasse ist vielen noch sehr präsent. Den fuhr mein Meister damals, mein Onkel hatte so einen, das waren noch Autos so oder so ähnlich lauten die Kommentare.